„Tal der Wölfe – Palästina“ im UCI Kino in Hürth

Seit dem 27.01.2011 zeigt das UCI Kino als einziges Kino im Kölner Umland den antisemitischen Film „Tal der Wölfe – Palästina“. Der Film greift dabei die Ereignisse rund um die Mavi Marmara von 2010 auf und beschreibt realitätsfern die angeblichen Vorgänge an Bord. Anschließend reisen der Protagonist „Polat Alemdar“ und sein Team nach Israel ein, um den tot von 9 türkischen „Aktivisten“ zu rächen.
Die Georg Weerth Gesellschaft aus Köln hat dazu einen sehr interessanten und guten Text verfasst:

Das Tal der Türken, oder:
Ne mutsuz türkum diyene (1)
Zum Kinostart von „Tal der Wölfe: Palästina“ in Deutschland

Der unverwechselbare, individuelle Mensch stirbt aus, wenn es ihn je wirklich gegeben hat. Jeder und jede ist insofern austauschbar, als dass seine Lohnarbeit – sofern er noch eine hat – und seine sozialen Funktionen jederzeit vom Nächstbesten übernommen werden könnten. Die Einzelnen leben unter dem Eindruck einer prinzipiellen Überflüssigkeit und Abhängigkeit vom unberechenbaren Gott dieser Welt, dem Kapital, und seinem herrschsüchtigen Propheten, dem Staat. Die Menschen verbeugen sich – unabhängig von ihrem jeweiligen Glauben – regelmäßig vor den Geldautomaten, der wahren Qibla (2), und kämpfen in einem Heiligen Krieg aller gegen alle, in einem trostlosen Wettbewerb um Arbeitsplätze, Ausbildungsstellen, Beförderungen usw. Da sie wissen, dass sie in diesem Kampf allein nicht auf Dauer bestehen können, rotten sie sich, meistens ihren jeweiligen Traditionen folgend, zu Familien, Klans, Stämmen, Nationen, Religionsgemeinschaften zusammen, zu irgendeiner Art von „Wir“, das sie vor der Erfahrung der Ohnmacht schützen soll.

Doch der Preis für dieses schützende „Wir“ kann sehr hoch sein: Es lässt sich zunehmend beobachten, dass so manches „Wir“ – hier sei vor allem die islamische Identität genannt – die totale Unterwerfung des „Ich“ verlangt, und es gibt nicht wenige „Ichs“, denen es zur Lust geworden ist, sich selbst durchzustreichen und die sogar in der Unterwerfung (arab. islām), von (Selbst-)zerstörungswut angetrieben, mehr oder weniger bewusst den erlösenden Tod suchen, nach dem sie sich sehnen. Die Gemeinschaft, von der man sich Anerkennung und Respekt erhofft, verlangt dafür Anpassung und Gehorsam. Die Ehre, die man für sein Rückgrat hält, erniedrigt und verkrüppelt einen erst recht, weil man dafür als Individuum die Würde opfert.

Unter den zahlreichen Zusammenrottungen von Einsamen ist jene mit der Selbstbezeichnung „Türke“ eines der erbärmlichsten, bedauernswertesten, aber deshalb nicht weniger gefährlichen Identitätsangebote – dies gilt insbesondere bei Menschen, die sich in Deutschland aufhalten. Sich als „Türke“ zu definieren bedeutet aktuell unglücklich, unmündig und auch noch stolz darauf zu sein und zumindest seit der Gründung der Türkischen Republik 1923 schließt es immer auch die Feindschaft gegen „ausländische Mächte“ (mal Griechenland, mal Russland, mal der ganze Westen), „innere Feinde“ (wie Aziz Nesin, Hrant Dink, oder die Ergenekon-Verschwörer) und seit längerem schon  zunehmend „Ungläubige“, das heißt Christen und Juden, ein.
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